Der Rahmtopf

„Ich war noch eine kleine Katze und  lebte mit meinem Bruder und meiner Mutter in einem großen, alten Haus. Wir beiden kleinen Katzen stromerten den ganzen Tag umher und erkundeten unsere Welt. Doch so ähnlich wir Geschwister uns auch sahen, so verschieden waren wir in unserem Wesen! Mein Bruder war größer und sehr neugierig und trug auch immer irgendwelche Blessuren davon. Doch er lachte nur darüber und stürzte sich gleich ins nächste Abenteuer, kaum daß unsere Mutter seine Wunden geleckt hatte.

Den einen Tag kam er mit verbrannten Pfoten nach Hause, weil er aus Versehen auf eine heiße Herdplatte gesprungen war und den nächsten Tag hatte er einen verdorbenen Magen, weil er von verbotenen Sachen genascht hatte.  Ich sah das und dachte: „Hoffentlich verbrenne ich mir nicht die Pfoten oder bekomme so furchtbare Bauchschmerzen!“ Um ja nichts falsch zu machen und mir nicht weh zu tun, wurde ich äußerst vorsichtig.

Eines Tages stromerte ich wieder in der Gegend herum und sah ein halboffenes Kellerfenster. Ich schaute hinein und sah dort einen riesengroßen Topf mit Rahm auf einem Tisch stehen. Mir lief das Wasser im Munde zusammen. So viel leckerer Rahm! Ob der wohl noch gut ist? Aber er sah sehr gut aus und vielleicht könnte man ja mal davon probieren…? Ich schlich eine Weile um das Fenster, traute mich aber nicht in den Keller. Der Rahm könnte ja verdorben sein… oder das Fenster geht zu, wenn ich gerade in den Raum gesprungen und dann im Keller gefangen bin … oder ein Mensch kommt in den Keller und wirft womöglich mit Stöcken nach mir …? Das alles könnte passieren – aber der Rahm sah wirklich sehr verlockend aus!

Ich schlenderte noch eine Weile in der Nähe des Kellerfensters herum und ging dann heim, dachte aber immer noch an den Rahm und wie der wohl schmecken würde? Am nächsten Tag spazierte ich wieder zu dem Kellerfenster und konnte mich wieder nicht dazu entschließen, in den Keller einzudringen, um von dem Rahm zu naschen. Das ging eine Weile so und ich versuchte einen großen Bogen um das Kellerfenster und den Rahm zu gehen. Doch ich konnte machen, was ich wollte, meine Rundgänge endeten immer wieder bei diesem verflixten Kellerfenster!

Meine Mutter sah, daß mich etwas bedrückte und fragte, ob sie mir helfen könne? Erst druckste ich nur etwas von „Ne, ist nicht so wichtig, geht sowieso nicht!“ und wollte nicht recht mit der Sprache heraus. Schließlich faßte ich mir doch ein Herz und erzählte ihr von diesem verführerischen Rahmtopf und dem Kellerfenster und von meinen Bedenken. Da lächelte die Mutter, zog mich zu sich, wartete bis ich mich an sie gekuschelt hatte, streichelte und liebkoste mich und erzählte mir eine Geschichte …

– Ende der Leseprobe –
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